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Der harte Weg ins Modelbusiness

Nicht erst seit dem Heidi Klum mit „Germanys next Topmodel“ die Bildschirme der Nation erobert hat, ist es der Traum vieler junger Menschen, sich und die neuesten Kollektionen bekannter Modelabes auf Laufstegen und Fotos zu präsentieren. Allerdings schaffen es nur die wenigsten, ein gefragtes Model zu werden. Doch Alexander Gutbrod hat es geschafft.

Auf Instagram und Facebook finden sich unzählige Selfies von gutgebräunten Fitnessstudio-Typen. Nur selten handelt es sich hier aber um tatsächlich erfolgreiche Models. Doch was sind eigentlich die Grundvoraussetzungen, um als Mann erfolgreich im Modelbusiness zu sein? „Auf die Ausstrahlung kommt es an, mehr als auf irgendwelche genormten Maße“, weiss Alexander Gutbrod aus eigener Erfahrung. Der 39-jährige modelt seit über 10 Jahren. „Auch körperliche Fitness ist unerlässlich, zumal man als Model lange Ausdauer beweisen muss!“ Gutbrod selbst stand schon für Labels wie Lagerfeld und Chanel vor der Kamera und wurde für Werbekampagnen großer Firmen wie Porsche, Bosch oder der AOK gebucht. Und das bei einer, für männliche Models eher untypischen Größe von nur 1,70 Meter. Eigentlich ist eine Körpergröße von 1,80 bis 1,90 Meter für die meisten Jobs geradezu eine Grundvoraussetzung, um kommerziell erfolgreich zu sein – wie allgemein angenommen. Ein athletischer Körperbau ist sicherlich nicht hinderlich, ein Waschbrettbauch ist trotzdem kein Muss. „Aber gerade meine Größe ist ein Alleinstellungsmerkmal in der Branche“, erklärt Gutbrod. „Vor allem die Autofirmen sind froh, wenn sie für ihre Kampagnen Models haben, die nicht so groß sind. Ansonsten ist es in meinem Job, wie bei den meisten anderen auch: Auf die Leistung kommt es an!“ Und die bringt der sympathische junge Mann auf jeden Fall mit. Dies haben auch bereits große Magazine wie das Cosmopolitan und bekannte Musiker wie Rapper Kayef gemerkt, der Gutbrod für eines seiner letzten Musikvideos gebucht hat. 

Der sympathische Sunny-Boy steht heute offen zu seiner Homosexualität. Das war nicht immer so. „Ich komme aus einem sehr konservativen Elternhaus“, erzählt er. „Meine Familie gehört zu den Zeugen Jehovas – etwas, dass sich mit gleichgeschlechtlicher Liebe nicht verträgt.“ Darum hatte er nach seinem Outing und dem Austritt aus der Glaubensgemeinschaft auch jahrelang keinen Kontakt mehr zu seiner Familie. „Mittlerweile hat sich die Situation zu einem Teil der Familie etwas entspannt. Darüber bin ich wirklich froh!“ Dass er irgendwann mit seinem Aussehen einmal Geld verdienen würde, war nie der Plan des gebürtigen Leonbergers, der als Kind eher mollig und für den körperliche Fitness früher eigentlich nie ein Thema war. Mit 28 Jahren änderte sich das dann: Er entdeckte seine Affinität für Mode, Lifestyle und Sport. Heute hält er sich mit Latin Dance und Kampfsport fit, geht regelmässig ins Fitnessstudio und achtet sehr auf seine Ernährung. Doch der größte Schritt in Richtung Modebranche kam für Gutbrod, als die Firma, bei der er zehn Jahre als Kaufmann arbeitete, sich neu ausrichtete. „Das war war wie eine Art Initialzündung für mich“, erzählt Gutbrod. „Ich habe damals auch einen Neustart gewagt und mich zum Diplommoderator, -coach und Charakterdarsteller an einer Privatschule ausbilden lassen. Für mich waren Schauspielerei, Fotografie und Werbung schon immer von großem Interesse.“ Als er dann vor sieben Jahren den Schritt in die Selbstständigkeit wagte, standen für ihn die Zeichen aber nicht gerade auf Erfolg, denn die Jobs waren anfangs rar und die Gagen bescheiden. „In so einer Situation versucht man sich an Projekten, die man heutzutage nicht mehr anstreben würde“, erzählt Gutbrod und spielt damit auf seinen Auftritt in der Pseudo-Doku-Soap „X-Diaries“ für RTL an. Vier Wochen wurde auf Ibiza gedreht, die Folgen dann aber letztendlich nie ausgestrahlt. Trotzdem hat ihm dies in der Anfangszeit viel Erfahrung eingebracht. Im Jahr 2019 war Gutbrod dann in der Sendung „Prince Charming“ des Streaminganbieters TVNOW zu sehen. Dort wurde er Fünfter und sicherte sich ein Platz in den Herzen der Zuschauer. Ab April diesen Jahren läuft „Prince Charming“ übrigens auf dem Free-TV-Sender Vox. „Das war eine abenteuerliche und tolle Zeit“, so Gutbrod. „Deshalb freue ich mich umso mehr, dass die Sendung mit dem Grimme Preis 2020 in der Kategorie Unterhaltung ausgezeichnet wurde!“

Auf dem Weg, die Karriereleiter nach oben zu erglimmen, ließ sich Alexander Gutbrod nie beirren. Mittlerweile ist er ein gefragtes Model und hat sogar sein eigens Parfum-Label am Markt platziert. „Damit habe ich mir selbst einen riesengroßen Traum erfüllt“, strahlt Gutbrod, der aktuell in Beilstein lebt. Sechs Düfte hat der 38-Jährige mit seinem Label „AG by Alexander Gutbrod“ vor zwei Jahren bereits lanciert, die sowohl von Männern und Frauen getragen werden können. „Es war ein langer Weg bis zur Veröffentlichung“, erzählt er. „Aber dafür war ich mit dem Ergebnis um so zufriedener! Die Düfte sind mittlerweile ausverkauft.“ Und darum gibt es seit Ende März 2020 auch einen neuen Männerduft aus dem Hause Gutbrod, allerdings unter dem neuen Label „Rebellion“. „Wir haben damit einen kompletten Neustart hingelegt“, verrät er. „Super Marketing, eine imposante Homepage und natürlich einen tollen Duft namens Ego!“

Einen Traum hat Alexander Gutbrod aber immer noch, der sich bisher nicht erfüllt hat: „Einmal für Hugo Boss vor der Kamera stehen! Das wär’s!“ Und wer weiss, vielleicht gelingt ihm das in absehbarer Zeit auch noch, denn das Glück ist ja bekanntlich mit den Tüchtigen. 

Text: Boris Mönnich

Fotos: Gordon Below / Boris Mönnich

Vielen Dank an Boris Mönnich und seinen Blog:

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